Fischauergasse 17 / Drehergasse 1 (verlegt 2014)

Bianka Wilder

Als Jüdin keine Chance zu überleben

Bianka Wilder, geboren am 2. 1. 1910 in Wiener Neustadt, Studentin, ledig, mosaisch, wurde am 12. Juli 1940 in Hartheim ermordet.
Die junge Frau lebte mit ihrem Bruder Alfred (*1906), Schwester Elfriede (*1915, Kindergärtnerin) und ihrer Mutter Rosa (Arztwitwe) in der elterlichen Wohnung in der Fischauergasse 11.

Aus den spärlich erhaltenen Unterlagen geht hervor, dass Bianka Wilder nach einem kurzen Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik des AKH Wien am 22. November 1932 in die Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ eingeliefert und bereits am 24. November 1932 mittels Transport in die Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling überstellt wurde.

Als Abgangsvermerk im Standesprotokollbuch findet sich der Stempel „Am 12. Juli 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart-Linz übersetzt“ – die für 1940 übliche Tarnung für den Abtransport nach Hartheim, wo sie mit weiteren 62 Patienten aus Mauer-Öhling mit Kohlenmonoxidgas ermordet wurde.

Über beide Aufenthalte gibt es außer den Eintragungen in die Standespro-tokollbücher keine weiteren Unterlagen. Sicher ist, dass Bianka Wilder mit dem Anschluss ans Deutsche Reich keine Chance zu überleben hatte. Es genügte die Diagnose „Jüdin“.

Schicksal der weiteren Familienmitglieder: Bruder Alfred – Rechtsanwalt Dr. Alfred Wilder – fiel 1939 an der Front und Mutter Rosa wurde 1941 nach Litzmannstadt (Ɫódź, eines der größten Ghettos im Dritten Reich) deportiert und hat nicht überlebt. Nur Schwester Elfriede konnte der Shoa entfliehen und fand Exil in den USA.

Anton Blaha