Brunner Straße 30 (verlegt 2010)

Ignaz Seckl und Sohn Heinrich

Kaisersteingasse 7 (verlegt 2011)

Franz Seckl und Gattin Hanni Delfine

Wegen „aufreizenden Verhaltens gegenüber der arischen Bevölkerung“ ins KZ geschickt

Ignaz Seckl, geboren am 24.9.1860 in Bad Fischau, verwitwet,
Heinrich Seckl, geboren am 8.12.1891 in Wiener Neustadt, Zahntechniker, ledig.
Franz Seckl (Sohn Ignaz Seckls), geboren am 1.3.1884 in Ramplach, verheiratet, 2 Kinder,
Hanni Delfine Seckl, geb. Grünfeld, geboren am 10.8.1886 in Velka, Mähren, Gattin von Franz.
Ignaz Seckl, seine beiden Söhne und die Schwiegertochter wurden zwecks Abschiebung ins Sammellager nach Wien überstellt und am 6.2.1942 nach Riga deportiert, wo sie ums Leben kamen.
Leopoldine Seckl (Tochter Ignaz Seckls) überlebte im heutigen Tschechien. Die beiden Kinder von Franz und Hanni Seckl, Martha und Josef, damals beide im Schulalter, überlebten im Exil in London.

Familie Seckl: Ignaz und Maria Seckl (sitzend), dainter die Kinder Heinrich, Leopoldine und Franz (v.l.n.r.)

Familie Seckl: Ignaz und Maria Seckl (sitzend), dahinter die Kinder Heinrich, Leopoldine und Franz (v.l.n.r.)

Die Familie Seckl war in Wiener Neustadt als die „Bockerl-Seckl“ bekannt. Ignaz Seckl hatte die ab 1866 bestehende Klenganstalt von seinem Vater Josef übernommen und in der Weikersdorfer Straße 24 (heute Brunner Straße) weiter ausgebaut. In dieser Fabrik hat man aus den Bockerln (Föhrenzapfen) die Samen gewonnen und damit Handel betrieben.

Ignaz Seckl und seine Gattin Maria, die schon etliche Jahre vor dem „Anschluss“ verstarb, hatten drei Kinder: Franz, das älteste Kind, die Tochter Leopoldine und Heinrich, der jüngste in der Familie Seckl. Heinrich hatte nie geheiratet. Er arbeitete in Leipzig als Zahntechniker. Vor Kriegsbeginn kehrte er zurück und wohnte bei seinem Vater. Franz Seckl heiratete Hanni Delfine, geborene Grünfeld, und wohnte danach in der Kaisersteingasse 7. Von den drei Kindern überlebte nur Leopoldine den Holocaust. Als verheiratete Leopoldine Peikert wurde sie katholisch und zog nach Odrau im heutigen Tschechien.

1938 musste die Familie in der Wohnung in der Weikersdorfer Straße (heutige Brunner Straße) zusammenziehen, weil das Haus in der Kaisersteingasse beschlagnahmt worden war.

In die damaligen Geschehnisse, die mit dem Schicksal der Familie Seckl verbunden waren, geben zwei Berichte der Gestapo Einblick:

Der Gestaporapport Nr. 7 vom Februar 1941 meldete kalt und kurz nach Berlin, dass am 15.2.1941 der erste Transport mit 1.000 Juden vom Wiener Aspangbahnhof in das Generalgouvernement abgegangen sei. Nach festgelegten Fahrplänen würde „wöchentlich ein Transport mit dieser Kopfzahl folgen.“ Es wurden insgesamt ungefähr 70.000! Und der Begriff Generalgouvernement (Polen) war einfach der offizielle Sammelname für eines der dortigen Vernichtungslager oder für ein Ghetto, das als Zwischenlager diente.

Wie all das inszeniert worden ist, davon vermittelt der Tagesbericht Nr. 12 vom 28. – 29.1.1942 der Gestapo aus Wiener Neustadt einen Eindruck:

„Wegen aufreizenden Verhaltens gegenüber der arischen Bevölkerung wurden die Juden: Ignaz Seckl, Heinrich Seckl, Franz Seckl, Hanni Delfine Seckl, sämtliche in Wr. Neustadt, Weikersdorferstr. 24 wohnhaft, […]festgenommen und in das Sammellager der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien zwecks Abschiebung in das Generalgouvernement überstellt.“

Das aufreizende Verhalten bestand offenbar darin, dass sie noch lebten, nachdem man ihnen alle Existenzmittel entzogen hatte.

Ignaz, Heinrich, Franz und Hanni Delfine wurden am 6.2.1942 von Wien nach Riga deportiert und kamen dort ums Leben.

Die Kinder von Franz und Hanni Delfine Seckl, Martha und Josef, konnten als Teenager nach England ausreisen. Beide haben dort später geheiratet und leben heute in London. Ende Juni 2010 kamen Josef (Joe) Seckl und seine Frau aus London nach Wiener Neustadt und haben die geplanten Verlegestellen besucht.

nach „Widerstand im Gebiet Wiener Neustadt 1938 bis 1945“ von Karl Flanner und  „Das jüdische Wiener Neustadt“ von Werner Sulzgruber.