Eyerspergring 7 (verlegt 2013, Erika 2015, Benno 2022)

Familie Feldmann

Exekution in der Festung in Kaunas

Benno Feldmann, geboren am 18. März 1898 in Marz, Westungarn, Beamter,
Gattin Eugenie, geborene Rosenberger, am 10./20.06.1898 in Mattersdorf (Mattersburg),
Kinder Jakob (*1923), Stella (*1925), Walter (*1928) und Erika (*1932).
Die Mutter und die drei jüngeren Kinder wurden am 23. November 1941 nach Kaunas deportiert und dort erschossen. Jakob Feldmann gelangte ins Exil nach Palästina, sein Vater starb auf dem Weg dorthin.

Benno Feldmann, geboren am 18. März 1898 in Marz, Westungarn, wohnte ab 1920 in Wiener Neustadt. Er heiratete Eugenie Rosenberger, geboren am 10./20. Juni 1898 in Mattersdorf. Gemeinsam hatte das Paar vier Kinder schenkte, die allesmat in Wiener Neustadt das Licht der Welt erblickten: Jakob (*1923), Stella (*1925), Walter (*1928) und Erika (*1932). Vater Benno arbeitete als Beamter und im lokalen Weinhandel. Er wohnte mit seiner Gattin und den Kindern in der Gymelsdorfer Straße und ab 1933 am Eyerspergring 7.

Nachdem Oberrabbiner Dr. Heinrich Weiss und Präsident der IKG, Hugo Reininger, im Sommer 1938 Wiener Neustadt mit ihren Familien verlassen hatten, führte Benno Feldmann als Sekretär der IKG über Wochen bis zur „Reichskristallnacht“ 1938 provisorisch die Geschäfte der zerfallenden jüdischen Gemeinde. Im September 1938 musste Familie Feldmann in die Herrengasse 12 umziehen, denn der Verbleib am Eyerspergring war ihr inzwischen unmöglich gemacht worden. Die Ereignisse des Novemberpogroms führten zur Vertreibung der Familie aus der Stadt. Sie fand, ihrer Mittel vollends beraubt, in der Zirkusgasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk eine Unterkunft.

Nach einigen Monaten gelang es Benno Feldmann als auch seinem ältesten Sohn Jakob, Plätze auf einem Donauschiff nach Rumänien und auf einem weiteren in Richtung Palästina zu erhalten. Dort durften die Flüchtlinge jedoch nicht an Land gehen und mussten auf ein anderes Schiff, die „Paria“, wechseln, da sie nach Mauritius gebracht und dort interniert werden sollten. Eine Gruppe der Hagana, einer zionistischen Untergrundorganisation, wollte durch eine Sprengung herbeiführen, dass die Flüchtlinge als Schiffbrüchige von den Briten aufgenommen werden mussten. Doch das Schiff sank und über 250 kamen dabei ums Leben, darunter auch Benno Feldmann. Den Überlebenden gewährte die britische Mandatsregierung Zuflucht in Palästina: auch Benno’s Sohn Jakob.

Benno Feldmanns Ehefrau Eugenie war mit den Kindern Stella, Walter und Erika in Wien zurückgeblieben. Wahrscheinlich sollten sie nach Palästina folgen. Wir wissen nicht, ob Eugenie Kenntnis vom Schicksal ihres Mannes bzw. vom Verbleib ihres Sohnes hatte. Am 23. November 1941 wurden Eugenie mit ihren Kindern – wie inzwischen sicher ist, auch mit der jüngsten Tochter Erika, die damals gerade einmal neun Jahre alt war – deportiert. Zwar war dieser Transport von eintausend Jüdinnen und Juden von Wien nach Riga geplant gewesen, aber der Zug wurde letztlich nach Kaunas umgeleitet. Dort exekutierte Mitglieder der SS alle Passagiere, darunter auch Eugenie und ihre Kinder Stella, Walter und Erika. Alle vier wurden am 29. November 1941 erschossen.

Werner Sulzgruber