Eyerspergring 7 (verlegt 2013, Erika 2015)

Familie Feldmann

Exekution in der Festung in Kaunas

Benno Feldmann, geboren am 18.03.1898 in Marz, Westungarn, Beamter,
Gattin Eugenie, geborene Rosenberger, am 10./20.06.1898 in Mattersdorf (Mattersburg),
Kinder Jakob (*1923), Stella (*1925), Walter (*1928) und Erika (*1932).
Die Mutter und die drei jüngeren Kinder wurden am 23. November 1941 nach Kaunas deportiert und dort erschossen. Jakob Feldmann gelangte ins Exil nach Palästina, sein Vater starb auf dem Weg dorthin.

Benno Feldmann kam 1920 nach Wiener Neustadt, heiratete Eugenie Rosenberger, die ihm vier Kinder schenkte. Die Familie wohnte in der Gymelsdorfergasse und ab 1933 am Eyerspergring 7. Benno Feldmann arbeitete als Beamter und im lokalen Weinhandel.

Nachdem Oberrabbiner Dr. Heinrich Weiss und Präsident der Israelitischen Kultus-gemeinde (IKG) Hugo Reininger im Sommer 1938 Wiener Neustadt mit ihren Familien verlassen hatten, führte Benno Feldmann als Sekretär der IKG über Wochen bis zur „Reichskristallnacht“ 1938 provisorisch die Geschäfte der zerfallenden jüdischen Gemeinde.

Im September 1938 musste Familie Feldmann in die Herrengasse 12 umziehen, denn der Verbleib am Eyerspergring war ihr inzwischen unmöglich gemacht worden. Sie wurde während der Ereignisse des Novemberpogroms aus der Stadt vertrieben und fand in der Zirkusgasse in Wien Unterkunft.

Nach einigen Monaten gelang es sowohl Benno Feldmann als auch seinem ältesten Sohn Jakob, Plätze auf einem Schiff in Richtung Palästina zu erhalten. Während Vater Benno beim Untergang des Schiffes vor der Küste Palästinas starb, kam sein Sohn gesund an Land.

Benno Feldmanns Ehefrau Eugenie war mit den Kindern Stella, Walter und Erika in Wien zurückgeblieben und sollte wahrscheinlich nach Palästina nachfolgen. Wir wissen nicht, ob Eugenie überhaupt Kenntnis vom Tod ihres Mannes bzw. vom Verbleib ihres Sohnes hatte.

Am 23. November 1941 wurden Eugenie und ihre Kinder – wie inzwischen sicher ist, auch die jüngste Tochter Erika – deportiert. 1.000 Jüdinnen und Juden sollten von Wien nach Riga transportiert werden, doch der Zug wurde nach Kaunas (Litauen) umgeleitet. Dort exekutierte die SS alle Passagiere in der Festung (Fort IX)*). Eugenie und ihre drei Kinder wurden am 29. November 1941 erschossen.

Nachdem die Umstände des Todes von Erika Feldmann geklärt werden konnten, wurde 2015 auch für sie ein Stolperstein, neben denen für ihre Familie, gesetzt.

Werner Sulzgruber

*) Die Schätzungen der Anzahl der während der deutschen Besatzung in Kaunas getöteten jüdischen Menschen aus Litauen und ganz Europa liegen bei 18.500 bis 50.000 Opfern. (wikipedia.org/Kaunas)