Wiener Straße 58 (verlegt 2014)

Johann Braun

Der 100. Stolperstein!

Geboren am 16. 8. 1902 in Lackenbach, verheiratet, ein Sohn.
Die Familie wurde nach Wien vertrieben. Vermutlich 1939 Haft im KZ Dachau, im Oktober 1939 Deportation nach Nisko. Tod am 22. März 1940. Über das Schicksal der Gattin und des Sohnes ist nichts bekannt.

1914 übersiedelte Moritz Mose Braun, seine Gattin Maria und die beiden Kinder Johann (*1902) und Helene (*1904) von Lackenbach nach Wiener Neustadt, Kurze Gasse 9. Vater Moritz war Hausierer bzw. Händler, Tochter Helene Kontoristin. 1921 zog die Familie in die Deutschgasse 19. Tochter Helene verzog 1927 nach Deutschland. Vater Moritz verstarb 1935 und wurde am jüdischen Friedhof in Wiener Neustadt beigesetzt.

Johann Braun lernte Schlosser, war Angestellter und hielt sich in den Jahren 1924 und 1925 für ein paar Monate in Wien auf, wahrscheinlich um dort zu arbeiten. Er heiratete Maria Schmiedl (*1907), die ihm am 19. 8. 1935 Sohn Josef schenkte, der katholisch getauft wurde. Johann und Maria behielten ihr Religionsbekenntnis. 1936 zog die dreiköpfige Familie von der Deutschgasse in die Wiener Straße 58.

Obwohl eine amtliche Abmeldung erst für den 8. August 1939 eingetragen wurde und Johann Braun mit seiner Gattin und seinem Sohn nach Wien, Molkereistraße 4/4 verzogen sein soll, ist es durchaus möglich, dass die Familie bereits im November 1938 vertrieben wurde. Vermutlich war Johann Braun 1939 im KZ Dachau in Haft. Sicher ist, dass man ihn am 20. Oktober 1939 nach Nisko deportierte und er am 22. März 1940 verstarb.

Nisko: Der damalige Leiter der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag“, Adolf Eichmann, organisierte vom 18. bis 26. Oktober 1939 sechs Transporte nach Nisko. Die Deportierten sollten ein einziges großes Konzentrationslager für alle Juden und „unzuverlässigen Elemente“ aus dem Deutschen Reich bauen, wozu die meisten aber handwerklich gar nicht in der Lage waren. Ein unbekannter Teil dieser Zwangsarbeiter starb an Hunger und Kälte. Die Pläne zu einer umfassenden „Umsiedelung“ von Juden aus Deutschland und besetzten Gebieten Osteuropas wurden jedoch nicht fallen gelassen, sondern nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

nach „Lebenslinien“ von Werner Sulzgruber, wikipedia.org/Nisko.