Pottendorfer Straße 121 (Verlegung 2013)

Herbert Hochmann

Ein Kampfgefährte Karl Flanners.

Herbert Hochmann, geboren am 15. 9. 1921 in Wiener Neustadt, Steinmetzlehrling. Verhaftung und Verurteilung wegen Hochverrates. Einberufung in eine Strafeinheit und Tod am 1. Jänner 1943 vor Stalingrad.

Herbert Hochmann

Herbert Hochmann

In mehreren Betrieben in Wiener Neustadt bildeten sich kleine Zellen von drei bis fünf Mitgliedern und hob Beiträge ein, die zur Herstellung illegaler Zeitungen oder Streuzettel verwendet wurden oder an die Angehörigen von verhafteten Kameraden – nicht selten auch an Hinterbliebene nach Hingerichteten – weitergegeben wurden. Die erste Gruppe, die sich organisierte, bestand aus ehemaligen Mitgliedern sozialdemokratischer Organisationen, die 1934 verboten worden waren. Sie bildeten damals den Kommunistischen Jugendverband (KJV) und hatte reichlich Kampferfahrung aus der Zeit vor dem „Anschluss“. Noch 1938 fassten die Jugend-funktionäre Karl Flanner und Johann Schügerl aus Wiener Neustadt, Johann Kaiser aus Bad Fischau und Josef Sasso aus Winzendorf den Beschluss, den KJV zu organisieren, in den Betrieben Zellen und Stützpunkte zu errichten und eine eigene Jugendzeitung, sowie Flugzettel zu drucken.

Die Tätigkeit dieser Gruppe wurde mit einem Schlag beendet, nachdem ein Denunziant, der das Vertrauen der Funktionäre genoss, der Gestapo entspre-chende Hinweise lieferte, die Leitung der Organisation in der Nacht vom 22. Auf den 23. August 1939 zu verhaften und die Druckerei auszuheben. Bis Anfang Oktober 1939 wurden insgesamt 29 Personen festgenommen. Der Prozess wurde im Oktober 1940 geführt. Über die Angeklagten wurden wegen Hochverrates mehrjährigen Zuchthausstrafen verhängt.

Herbert Hochmann wurde wegen Herstellung und Verbreitung einer Propa-gandazeitung kommunistischen Inhaltes zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er und vier weitere der Verurteilten wurden danach zur berüchtigten Bewäh-rungseinheit 999 einberufen und in verschiedenen Kampfgebieten als Himmel-fahrtskommando eingesetzt. Der junge Herbert Hochmann wurde einer Straf-kompanie zugeteilt, bei deren Einsatz er am 1. Jänner 1943 vor Stalingrad ums Leben kam.

nach „Widerstand im Gebiet Wiener Neustadt 1938 – 1945“ von Karl Flanner und Unterlagen des Volksgerichtsprozesses.