Domplatz 12 (verlegt 2014)

Josefine Seinfeld

Als Jüdin keine Chance zu überleben

Josefine Seinfeld, geboren am 25. 1. 1898 in Wiener Neustadt, ledig, mosaisch, wurde am 13. März 1941 in Hartheim ermordet.

Die junge Frau lebte mit ihrem Bruder Siegfried, Schwester Olga (*1910) und ihrer Mutter Amalie in der elterlichen Wohnung am Domplatz 12.

Aus den spärlich erhaltenen Unterlagen geht hervor, dass das Gesundheitsamt Wiener Neustadt am 18. 7. 1931 um Aufnahme angesucht hat und Josefine Seinfeld am 20. Juli 1931 in der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling aufgenommen wurde. Am 24. Oktober 1931 wurde sie gegen Revers wieder nach Hause entlassen.

Aber schon am 19. August 1932, wieder auf Veranlassung des Gesundheitsamtes, wurde Josefine Seinfeld abermals in die Anstalt eingewiesen.

Über beide Aufenthalte gibt es außer den Eintragungen in die Standespro-tokollbücher keine weiteren Unterlagen. Sicher ist, dass Josefine Seinfeld mit dem Anschluss ans Deutsche Reich keine Chance zu überleben hatte. Es genügte die Diagnose „Jüdin“.

Als Abgangsvermerk im Standesprotokollbuch findet sich der Stempel „Am 13. März 1941 in eine der Direktion nicht genannte Anstalt übersetzt“ – die Tarnung für den Abtransport nach Hartheim, wo sie mit weiteren 15 Patienten aus Mauer-Öhling mit Kohlenmonoxidgas ermordet wurde.

Schicksal der weiteren Familienmitglieder: Vater Max ist 1936 verstorben, Schwester Olga wurde in Auschwitz ermordet (Stolperstein Singergasse 15) und Mutter Amalie musste in Zuge des Novemberpogroms Wiener Neustadt verlassen.

Anton Blaha