Flugfeldgürtel 13/15 (verlegt 2011)

Heinrich Sauer

Aufbau einer Widerstandsgruppe

Geboren 10.4.1892, Wernig, verheiratet; am 2.1.1945, im Kerker in Stein an der Donau ums Leben gekommen

Heinrich Sauer

Heinrich Sauer

Heinrich Sauer war der Sohn einer Kleinhäusler-familie und eines von zehn Kindern. Nach dem Schulaustritt war er Hilfsarbeiter auf Straßen- und Hochbauten. Im 17. Lebensjahr wurde er bei der Südbahn angestellt. 1919 heiratete er und bekam zwei Kinder. Die Familie lebte in einem kleinen Einfa-milienhaus in der Feldgasse Nr. 26.

Heinrich Sauer trat kurz nach dem 1. Weltkrieg in die SPÖ und in Folge dem Republikanischen Schutzbund und der Freien Eisenbahnergewerkschaft bei. Nach dem Verbot der SPÖ setzte er seine politische Tätigkeit in einer Organisation der „Revolutionären Sozialisten“ bis zu deren Zerschlagung 1934 fort.

1939 begann Heinrich Sauer unter seinen Arbeitskollegen kampfbereite Genossen zu sammeln. Vorerst organisierte er eine Reihe seiner Eisenbahnerkollegen, sowie Gleichgesinnte außerhalb seines Dienstbereiches und hob von ihnen Beiträge ein, die er unter anderem zur Unterstützung der Familie des verhafteten Wiener Neustädter Eisenbahners Leopold Huber verwendete. Dieser war mit vierzehn seiner Genossen verhaftet und ein Jahr später wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden (siehe Stolperstein Leopold Huber, Hauptplatz 20). Heinrich Sauer nahm auch Kontakt mit anderen kommunistischen Widerstandgruppen im Raum Leobersdorf, Vöslau und Neunkirchen auf.

Die Tätigkeit dieser Widerstandszellen, deren Kampfziel die Beseitigung des Nazi-Regimes und die Wiederherstellung eines selbständigen Österreichs war, mag den Nazis besondere Gefahr signalisiert haben, die tatsächlich darin bestand, dass der Schwerpunkt der Organisation eben bei der Eisenbahn lag, einem äußerst empfindlichen Nervenstrang der Kriegsmaschinerie.

Ein Teil der Mitglieder dieser Organisation, darunter Heinrich Sauer, wurde zwischen August und November 1941 verhaftet. Am 24.9.1942 wurde Heinrich Sauer wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Aber für Heinrich Sauer war dies das Todesurteil. Er – ein großer, kräftiger Mann – konnte mit den damals in den deutschen Zuchthäusern und Konzentrationslagern verabreichten nährwertarmen Hungerrationen auf Dauer nicht durchhalten. Abgemagert und krank verfiel Heinrich Sauer zusehends und starb – die Befreiung greifbar vor Augen – am 2.1.1945 im Zuchthaus Stein an der Donau.

Am 25.9.1970 wurde vom Gemeinderat beschlossen, die ehemalige Feldgasse, in der Heinrich Sauer wohnte, ihm zur Erinnerung in „Heinrich-Sauer-Gasse“ umzubenennen.

Anton Blaha