Baumkirchnerring 5 (verlegt 2011)

Familie Müller

Sohn Paul war Schüler des heutigen BRG Gröhrmühlgasse

Lazar Müller, geboren am 22.11.1897 in Nádas,
Paul Müller, geboren am 29.4.1927 in Wiener Neustadt, Schüler,
Wolfgang Müller, geboren am 5.3.1929 in Wiener Neustadt,
Ruth Müller, geboren 20.3.1930 in Wiener Neustadt, Schülerin, und
Kurt Müller, geboren 12.1.1935 in Wiener Neustadt.
Die Familie floh offensichtlich nach Bratislava und wurden Opfer der Shoah. Der Sohn Paul scheint auf einer Transportliste ins KZ Auschwitz auf, wo er ermordet wurde. Über den Verbleib der Mutter, Rosa Müller, wissen wir nichts.

Ab dem Jahr 1924 lebten Lazar Müller, geboren am 22.11.1897 in Nádas, und seine Gattin Rosa Kurzweil, geboren am 24.2.1897 in Pirnitz, gemeinsam in Wiener Neustadt. Lazar Müller war gelernter Uhrmachermeister und Gattin Rosa Modistin (Hutmacherin). Seinen Lebensunterhalt bestritt das Paar damit, dass beide einen gemeinsamen Betrieb in der Herzog-Leopold-Straße 30 führten.

Mit insgesamt vier Kindern – Paul, geboren 1927, Wolfgang, geboren 1929, Ruth, geboren 1930, und Kurt, geboren 1935 – entstand eine große jüdische Familie. Diese wohnte ab 1935 am Baumkirchnerring 5.

In unmittelbarer Nähe des elterlichen Betriebs besuchte der älteste Sohn Paul später die Schule, nämlich die „Bundesreal- und oberrealschule in Wiener Neustadt“ (heute: BRG Gröhrmühlgasse) in der Herzog-Leopold-Straße 32. Seine jüngere Schwester Ruth ging in die „Jubiläumsschule-Mädchen-Volksschule“ am Baumkirchnerring.

Stolpersteine 2011

Stolpersteine 2011

Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde der Handwerks- und Handelsbetrieb der Familie Müller „arisiert“, also den jüdischen Eigentümern entzogen. Die Kinder Paul, Wolfgang und Ruth wurden „ausgeschult“, das heißt, man schloss sie aus dem neu organisierten NS-Schulsystem aus.

Im Herbst 1938 hatte die sechsköpfige Familie ihre Wohnung zu verlassen, da der Mietvertrag aufgekündigt worden war. So musste sie für ein paar Wochen in einer kleinen Unterkunft in der Stadt verbleiben. Als dann noch zum fast gleichen Zeitpunkt die Firma Müller von den NS-Behörden „liquidiert“, also aufgelöst wurde, hielt die Familie hier nichts mehr und sie zog schließlich nach Wien.

Lazar Müller sah in Österreich keine Zukunft und wollte auswandern, doch seine Pläne gingen nicht in Erfüllung. Nachdem die Familie offenbar nach Bratislava geflohen war, verliert sich ihre Spur.

Sohn Paul Müller scheint ein paar Jahre später auf einer Transportliste von Lublin nach Auschwitz auf: Er wurde 1942 im KZ Auschwitz ermordet. Sein Vater Lazar und alle seine Geschwister wurden ebenfalls zu Opfern des nationalsozialistischen Regimes und kamen um. (Über den Verbleib von Rosa Müller wissen wir nichts.)

Werner Sulzgruber

Bei den 5 Gedenksteinen für die Familie Müller handelt es sich um „Stolpersteine des BRG Gröhrmühlgasse“ – also von Eltern, Schülern und Lehrern des BRG finanzierte „Stolpersteine“.

Die jüdische Familie Müller wurde deshalb als Opfer des Nationalsozialismus für das Projekt „Stolpersteine für Wiener Neustadt“ ausgewählt, weil Paul Müller ein Schüler des BRG Gröhrmühlgasse, einst „Bundesreal- und oberrealschule in Wiener Neustadt“, gewesen war.