Mandl Marie und Rosa

Deutschgasse 8 (verlegt 2026)

Marie und Rosa Mandl

Mutter & Tochter vom Balkanfeldzug eingeholt und ermordet

Samuel Mandl (*1889, Mattersdorf), Weinhändler, heiratete Marie Blum (*1889, Krumbach). Töchter Hedwig (*1914), Rosa (*1916), Grete (*1918) und Gertrude (*1920), alle noch in Mattersdorf geboren. Kinder in Wiener Neustadt: Erwin (*1922), Helma (*1924) und Erika (*1925).

Mutter Marie und Tochter Rosa wurden in Serbien ermordet, Tochter Hedwig heiratete nach Ungarn und wurde gemeinsam mit ihren beiden Kindern deportiert und ermordet. Samuel und die weiteren Kinder konnten nach Palästina emigrieren und überlebten.

Samuel Mandl kam 1919 nach Wiener Neustadt, fand hier Arbeit und holte 1922 seine Frau Marie, geborene Blum, und die vier Töchter, Hedwig, Rosa, Grete und Gertrude nach. In Wiener Neustadt kamen dann weitere Kinder zur Welt: Sohn Erwin und die Töchter Helma und Erika. Samuel betrieb einen gut gehenden Weinhandel. Ab 1926 wohnte die strenggläubige Familie in der Deutschgasse 8. Samuel engagierte sich in der Israelitischen Kultusgemeinde von Wiener Neustadt und war ab 1933 sogar Stellvertreter des Präsidenten.

Kurz nach dem „Anschluss“ 1938 wurden die Kinder aus den Bildungseinrichtungen hinausgeworfen. Nationalsozialisten übernahmen den Betrieb von Vater Samuel, Samuel selbst wurde verhaftet und bis Mitte Juli 1938 inhaftiert. Während dieser Zeit wurde der Weinhandelsbetrieb kommissarisch verwaltet und später „liquidiert“.

In der sogenannten „Reichskristallnacht“ im November 1938 wurde Marie mit ihren Kindern von SA- und SS-Angehörigen aus ihrem Haus getrieben und im Bethaus eingesperrt. Samuel war ebenfalls neuerlich verhaftet und im Gefängnis des Kreisgerichts eingesperrt worden. Nach mehreren Tagen transportierte man alle nach Wien und setzte sie dort aus. Die Familie war ihres Eigentums völlig beraubt worden und nun gänzlich mittellos.

Da sich das Ehepaar sozial immer sehr für andere eingesetzt hatten, wurde ihm von jüdischen Organisationen geholfen. So konnte zuerst Sohn Erwin über einen Schiffstransport von Genua nach Palästina ausreisen. Ihm folgten Grete und Gertrude, begleitet von ihrem Vater Samuel. Tochter Helma konnte nach Dänemark ausreisen. Für Marie und ihre beiden Töchter Rosa und Erika bot sich im Spätherbst 1939 die Chance, Plätze für einen der letzten illegalen Schiffs-Transporte über die Donau nach Palästina zu bekommen.

Doch bei diesem von einer jüdischen Organisation durchgeführten Transport gab es zahlreiche Hemmnisse. Nachdem mehr als 800 Passagiere Ende November auf einem DDSG-Schiff in Wien und Bratislava gestartet waren, verweigerte Rumänien die Einreise, weil das für die Weiterfahrt gecharterte Schiff nicht eingetroffen war. Wegen der Gefahr des Zufrierens der Donau ging es für alle wieder zurück bis zum Winterhafen in Kladovo in Serbien. Dort mussten die Flüchtlinge unter unbeschreiblich schlechten Umständen den strengen Winter überdauern. Doch für mehr als 200 Kinder und Jugendliche konnten „Einreisezertifikate“ für Palästina besorgt werden, sodass diese mit der Bahn bis in die Türkei und dann weiter nach Palästina kamen. Die jüngste Tochter der Familie Mandl, Erika, war eine der Glücklichen.

Im Frühjahr 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht Jugoslawien und es begann für Jüdinnen und Juden nun dort die Zeit der Verfolgung – auch für die Flüchtlinge des „Kladovo-Transports“. Diese wurden am 20. Juli 1941 in ein Internierungslager bei Šabac (nahe Belgrad) gebracht. Nach einem Partisanenüberfall Anfang Oktober 1941 wurde der Großteil der Flüchtlinge im Lager Šabac oder im KZ Zasavica hingerichtet. Marie und Rosa Mandl waren unter den Ermordeten.

Werner Sulzgruber