Kaisersteingasse 13 (verlegt 2011)
Johann Hödl
Einem Racheakt zum Opfer gefallen?
Johann Hödl, geboren 11.10.1888 in Gloggnitz, Bahnhofsvorstand.
In der Nacht vor dem „Anschluss“ verhaftet und am 01.04.1938 mit dem sognnnten „Prominententransport“ ins KZ Dachau gebracht und weiter ins KZ Mauthausen. Dort ist er am 27.03.1940 ums Leben gekommen.
Johann Hödl war Stadtleiter der Heimwehr von Wiener Neustadt. Anlässlich des niedergeschlagenen Naziputsches am 25.7.1934 war er bei der Beaufsichtigung der in Wiener Neustadt inhaftierten und in der Wiener Straße 12 festgehaltenen Nazis dabei.
In der Nacht vom 11. auf den 12.03.1938 (der Nacht vor dem „Anschluss“ an Hitlerdeutschland) wurde der Bahnhofsvorstand in Gutenstein, der zuvor lange Zeit Fahrdienstleiter in Wiener Neustadt gewesen war, von einem Trupp Nazis, die von einem illegalen SA-Mann angeführt wurden, aus dem Bett geholt und man setzte ihm die Pistole im Genick an. In einem Auto schaffte man ihn nach Wiener Neustadt. Seiner Frau gelang es, ihn am nächsten Tag im Polizeigefängnis, im Rathausgebäude zu sehen – zum letzten Mal. Man brachte Johann Hödl nach Wien und von dort – mit dem ersten Transport österreichischer Häftlinge (dem sog. Prominententransport) – nach Dachau. Als dann wenig später das Konzentrationslager Mauthausen errichtet wurde, brachte man Johann Hödl dorthin.
Hödl war magenleidend und seine Gesundheit war demnach untergraben. Als er schwer erkrankte – wahrscheinlich an der Ruhr – meldete er sich in sehr geschwächten Zustand in den Krankenbau. Von dort schrieb er in einem Brief an seine Frau: „… Wenn Hans im Krieg etwas zustoßen sollte, dann besorge in Wampersdorf ein Familiengrab und laß‘ ihn dorthin überführen …“ Es gab aber keinen Hans in der Familie, außer ihm selbst, und in Wampersdorf hatte er sich immer wieder gerne aufgehalten. Da schöpfte die Gattin Verdacht, dass ihm Unheil drohe. Der nächste Brief war stark zensuriert. Offenbar hatte Johann Hödl Wichtiges mitgeteilt, von dem er wusste, dass er es nie wieder tun könnte. Tatsächlich war es sein letzter Brief gewesen. Knapp danach kam die Nachricht aus dem Konzentrationslager, dass er am 27. März 1940 „an Gehirnschlag verstorben“ sei.
Anton Blaha nach „Widerstand im Gebiet Wiener Neustadt 1938 bis 1945“ von Karl Flanner.
