Ungargasse 6 (verlegt 2013, Söhne 2022)
Familie Breuer
Zuckerwaren und Schokolade aus der Ungargasse.
David Breuer, geboren am 31. 12. 1891 in Mattersdorf,
Franziska Breuer, geborene Ehrenfeld, am 3. 2. 1903 in Salgov (Slowakei),
Söhne Heinz, geboren 1927 in Wien und Werner, geboren 1929 in Wiener Neustadt.
Als letzter Wohnort wird Krnca im Kreis Topolcany angegeben. Im September 1942 wurden die Familie in den Kreis Topolcany deportiert und dann weiter ins Lager Sered überstellt (Franziska nachweislich am 7. Juni 1943) und dort getötet.
David Breuer, geboren am 31. Dezember 1891 in Mattersdorf, hatte sich im März 1915 in Wiener Neustadt angesiedelt. Im Ersten Weltkrieg war er eingerückt, musste aber aufgrund von Invalidität im Jänner 1917 seinen Abschied nehmen. Im August 1918 zog er in die Ungargasse 6. David verliebte er sich in die Tochter des Hauseigentümers und heiratete am 15. Februar 1925 Franziska Ehrenfeld, die ihm im Mai 1927 den Sohn Heinz und im April 1929 den Sohn Werner schenkte.

(© Adressbuch Wiener Neustadt 1937)
David Breuer verdiente seinen Lebensunterhalt als Kaufmann in der Neunkirchnerstraße 52. Seine Frau führte autonom eine fabrikmäßige Erzeugung von Schokolade und Zuckerwaren in der Ungargasse. Sie war damit nicht nur eine höchst selbständige Frau, sondern auch eine von zwei jüdischen Fabrikantinnen in der Stadt (neben Olga Grünwald, siehe Schicksal „Familie Grünwald“). Im Juni 1929 war es zum Bruch zwischen den Eheleuten gekommen. Franziska Breuer zog den Studenten Walter Hacker dem älteren, kriegsinvaliden Gatten vor, der nach Berndorf übersiedelte. Neustart-Versuche der Eheleute brachten sichtlich keinen Erfolg.
Sohn Heinz besuchte die Volksschule für Knaben am Baumkirchnerring und danach die erste Klasse am Bundesgymnasium, wo er noch ein Jahreszeugnis und mit 2. Juli 1938 eine „Abgangsklausel“ erhielt.
Am 14. Mai 1938 wurde ein kommissarischer Verwalter für die Firma „J. Breuer, Zuckerwaren, Ungargasse 6“ bestellt und das Haus in der Ungargasse, dessen Eigentümer Julius Ehrenfeld war, „arisiert“. 1938 war zumindest David Breuer, wahrscheinlich aber auch seine Familie, in Wien, Rembrandtstraße 34/14, gemeldet. Im September 1942 deportierte man die Familie in den Kreis Topolcany. Franziska Breuer wurde nachweislich am 7. Juli 1943 nach Sered gebracht. David und seine beiden Söhne wurden ebenfalls in Sered getötet.
Anton Blaha nach „Lebenslinien“ von Werner Sulzgruber